Restoring Basic Goodness in Bonn
In Transformationsprojekten agieren wir oft auf einer Ebene, die Alan Fogel in seinem Standardwerk „Body Sense: The Science and Practice of Embodied Self-Awareness“ als kognitive Selbstwahrnehmung (Conceptual Self-Awareness) beschreibt. Dieser kognitive Modus ist eine Meisterleistung der menschlichen Evolution: Er erlaubt uns, die Vergangenheit zu analysieren, die Zukunft zu planen und über das unmittelbare „Hier und Jetzt“ hinauszugehen. Doch gerade in komplexen Veränderungsprozessen kann diese Stärke zur Falle werden. Wenn wir uns rein auf konzeptionelle Modelle verlassen, landen wir oft im „Downloading“ – wir reagieren auf neue Herausforderungen mit alten mentalen Mustern.
Um den „Blinden Fleck“ zu enthüllen – jene verborgene Quelle, aus der unsere Aufmerksamkeit und Absicht entspringen –, müssen wir die Brücke zu unserer verkörperten Selbstwahrnehmung (Embodied Self-Awareness) schlagen.
Wie Fogel darlegt, ist unser kognitiver Verstand ein „Zeitreisender“. Er ist unverzichtbar für Strategie und Vision, aber ihm fehlt das physiologische Feedback des gegenwärtigen Augenblicks. Im Gegensatz dazu existiert unser Körper ausschließlich im „Jetzt“. Verkörperte Selbstwahrnehmung ist die Fähigkeit, unsere inneren Empfindungen und Bewegungen in dem Moment zu spüren, in dem sie geschehen.
In meiner Arbeit mit dem Social Presencing Theater (SPT) sehe ich darin die ultimative Synergie:
Der kognitive Verstand ermöglicht es uns, die Gegenwart zu überwinden (Vision, Zielsetzung, Strategie).
Die verkörperte Präsenz ermöglicht es uns, in der Gegenwart zu sein (Realität spüren, Widerstände wahrnehmen, Intuition).
Wenn wir beides integrieren, entsteht Social Sensing. Wir verstehen ein System nicht mehr nur intellektuell, sondern beginnen, den „sozialen Körper“ einer Organisation zu spüren. Dies erlaubt uns, die subtilen Risse im U-Prozess wahrzunehmen, an denen das Neue entstehen will.
Um den notwendigen Wechsel für echte Innovation zu verdeutlichen, hilft eine Gegenüberstellung der Qualitäten, die wir in Transformationsprozessen nutzen:
Rational / Logisch (Kognitiv) Spontan / Kreativ (Verkörpert)
Funktional / Analytisch Offen / Kreativ
Erklärend & Abstrakt Konkrete Erfahrung
Muster-Wiederholung (Downloading) Muster-Durchbrechung
Überwindung des Jetzt (Planung) Im Jetzt (Präsenz)
Wie die Grafik verdeutlicht, geht es nicht darum, den rationalen Verstand zu ersetzen, sondern ihn zu bereichern. Durch die Aktivierung unseres „Body Sense“ zapfen wir Qualitäten an, die im Business-Alltag oft unterdrückt werden: Spontanität, Kreativität und Offenheit. Dies sind keine „Soft Skills“, sondern physiologische Voraussetzungen, um das soziale Feld wahrzunehmen. Wenn wir von einer abstrakten Erklärung eines Problems zu einer konkreten, gespürten Erfahrung übergehen, schaffen wir eine authentische Basis für neues Handeln.
Echte Transformation braucht einen „organischen Sog“ von innen heraus. Die Verbindung von Alan Fogels biologischer Perspektive auf Resilienz mit den systemischen Methoden der Theory U und des SPT schafft einen kraftvollen Rahmen für Führung.
Fogel liefert das wissenschaftliche „Warum“ unserer physiologischen Wandlungsfähigkeit, während SPT das „Wie“ für die Anwendung in sozialen Systemen bietet. Wenn wir die Fähigkeit des Geistes, die Zukunft zu entwerfen, mit der Präsenz des Körpers im Jetzt verbinden, entsteht eine Energie, die nicht erschöpft, sondern trägt. Wir bleiben auch im „Stuck“ (dem Feststecken) präsent, bis das System selbst den nächsten Schritt offenbart.
Als praktische Inspiration für Facilitatoren und Coaches ist hier der 60-minütige Ablauf unserer letzten „Lunch & Learn“-Session, der zeigt, wie man diese tiefen Konzepte kompakt online vermitteln kann:
Opening (10 Min): Ankommen und das „Starke Warum“ – die Verbindung von Körperwahrnehmung und Führung klären.
Somatic Primer (10 Min): Einfache Übungen, um vom „Erklären“ ins „Spüren“ zu kommen.
Die „Stuck“-Übung (25 Min): Eine berufliche Herausforderung in eine körperliche Form bringen (Skulptur 1), die Spannung spüren (Embodied Self-Awareness) und eine spontane Bewegung in die entstehende Zukunft zulassen (Skulptur 2).
Reflektierender Dialog (15 Min): Ernten der Erkenntnisse aus dem „sozialen Körper“.
Möchten Sie diese Synergie selbst erleben? Ich lade Sie herzlich zu unserem nächsten Training im Alanus Werkhaus ein:
Social Presencing Theater I – Grundlagenkurs Veränderungsprozesse verkörpern und begleiten
Wann: 11.-12. April 2026
Wo: Alanus Werkhaus, Alfter (bei Bonn/Köln)
Anmeldung: Link zum Kurs am Alanus Werkhaus